2 x Motorradunfall: Überholen einer Fahrzeugkolonne – erhebliche Mithaftung bei Unfall möglich

2 x Motorradunfall: Überholen einer Fahrzeugkolonne – erhebliche Mithaftung bei Unfall möglich

Das Oberlandesgericht Hamm hatte über zwei Unfälle zu entscheiden, bei denen ein Zweiradfahrer eine Fahrzeugkolonne überholte und es dann zum Unfall kam.

Fall1: Unfall mit Motorrad und PKW

Ein Motorradfahrer befuhr die vorfahrtsberechtigte B 64 in Höxter. Er überholte mit seinem Motorrad eine aus mehreren Fahrzeugen bestehende Kolonne. Es kam dann zum Zusammenstoß mit einem Pkw, welcher aus einer Querstraße auf die Vorfahrtstraße nach links abbiegen wollte. Die Pkw-Fahrerin wollte eine Kolonnenlücke ausnutzen, fuhr jedoch unvorsichtig auf die Vorfahrtstraße, wobei es zur Kollision mit dem vorfahrtsberechtigten Krad kam.

Die Entscheidung:

Das OLG bewertete den Verschuldensanteil des an sich vorfahrtsberechtigten Motorradfahrers mit einem Drittel. Es argumentierte damit, dass der Motorradfahrer das allgemeine Rücksichtnahmegebot verletzt habe. Er sei bei dichtem Verkehr an einer zum Stehen gekommenen Fahrzeugkolonne vorbeigefahren, wobei er bei erkennbaren Verkehrslücken in Höhe von Kreuzungen und Einmündungen seine Fahrt trotz Vorfahrtsberechtigung so hätte einrichten müssen, dass er auch vor unvorsichtig  aus einer Lücke herausfahrenden Fahrzeugen rechtzeitig hätte anhalten können.

 

Fall 2: Unfall mit Mokick und PKW

In diesem Fall überholte ein Mokickfahrer innerorts in Oer-Erkenschwick eine aus drei Fahrzeugen bestehende Kolonne und kollidierte dann mit dem nach links in eine Grundstückseinfahrt abbiegenden erstem PKW der Kolonne.

Die Entscheidung:

Das OLG konnte aufgrund der besonderen Umstände des Falles ein Verschulden des linksabbiegenden PKW´s nicht feststellen. Es stellte eine Haftungsquote von 75 % zulasten des Mopedfahrers fest, so dass die links abbiegende Pkw-Fahrerin nur mit ihrer Betriebsgefahr in Höhe von 25 % mithaftete. Das OLG stellte ein erhebliches Verschulden zulasten des Mokickfahrers fest, da er verbotswidrig bei einer für ihn unklaren Verkehrslage überholt habe.

Quelle: Justiz online Justizportal Nordrhein-Westfalen; rechtskräftige Urteile des 9. Zivilsenats vom 09.07.2013 (9 U 191/12) und vom 23.04.2013 (9 U 12/13)

 

Fazit:

So verlockend es auch ist, mit einem Motorrad mal eben schnell eine langsame oder stehende Fahrzeugkolonne zu überholen,  so heftig können die Konsequenzen bei einem Unfall mit einem unvorsichtigen Fahrzeug aus dem Querverkehr oder bei einem Unfall  mit einem aus der Kolonne aus fahrenden Fahrzeug sein. Wenn der Unfall quotiert wird, dann bedeutet dies nicht nur, dass man seinen Schaden nicht in voller Höhe ersetzt bekommt, sondern auch einen Teil des Schadens des Unfallgegners zu tragen hat. In einem solchen Fall ist zwar der Haftpflichtversicherer eintrittspflichtig, doch dies führt – je nach Schadenfreiheitsklasse- zu einer entsprechenden Hochstufung der Prämien.

Über RA Schlemm

Rechtsanwalt Romanus Schlemm ist als Fachanwalt für Verkehrsrecht in der Kanzlei Gärth-Martin Steuerberater Rechtsanwalt PartGmbB in Wetzlar in den Rechtsgebieten Verkehrsrecht und Baurecht tätig. Webseiten: www.geblitzt-was-tun.de; www.oldtimer-recht.de; www.gaerth-martin.de

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