Freitag , 29 Juli 2016
Fahrversuch mit Geschwindigkeitsmessgerät ESO ES 1.0 deckt Messfehler auf

Fahrversuch mit Geschwindigkeitsmessgerät ESO ES 1.0 deckt Messfehler auf

Die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Geschwindigkeitsmessungen Dipl. Ing. Rolandt Bladt (Hohenahr) und Dipl. Ing. Stephan Wietschorke (Steinbach/Ts) führten einen interessanten Fahrversuch mit dem in Deutschland häufig eingesetzten “Blitzgerät” Geschwindigkeitsmessgerät ESO ES 1.0 durch. Hierüber wurde in der Fachzeitschrift VKU berichtet; in dem Beitrag wiesen die Sachverständigen auch darauf hin, dass Messfehler auch mit dem Geschwindigkeitsmessgerät ESO ES 3.0 möglich seien.

In unserem Blitzer-Info-Spezial haben wir das Messgerät ESO ES 1.0 bereits hier und das ESO ES 3.0 hier vorgestellt.

Nachdem in einem Bußgeldverfahren einem Betroffenen vorgeworfen wurde, in einer 30er-Zone 73 km/h gefahren zu sein, kam es im Rahmen des Gerichtsverfahrens zu dem Fahrvesuch mit dem eingesetzten Geschwindigkeitsmessgerät Einseitensensor ESO ES 1.0.

Der betroffene Fahrer behauptete, dass er mit seinem Geländewagen Mercedes G Automatic Diesel, 100 kW und grobstolligen M+S-Reifen, Erstzulassung 1979, an der damaligen Messstelle eine Geschwindigkeit von 73 km/h unter keinen Umständen hätte erreichen können.

Zu der Messstelle, welche sich direkt hinter einer Brücke befand, führte nach einer Kurve eine aufwärts verlaufende Zufahrt. Unter der Regie der Sachverständigen wurden mehrere Fahrversuche an der betreffenden Messstelle mit dort maximal möglicher Beschleunigung durchgeführt und von den Sachverständigen ausgewertet. Der Mercedes-Geländewagen mit H-Kennzeichen wurde also mehrfach „geblitzt“, konnte aber lediglich Geschwindigkeitswerte von 56 km/h bis 59 km/h erreichen.

Im Endergebis stellte sich der vorgeworfene Geschwindigkeitswert von 73 km/h als fehlerhafte Messung dar. Die Sachverständigen wiesen u.a. darauf hin, dass beim Aufbau und der Bedienung der Geschwindigkeitsmessanlage unbedingt  die Vorgaben der Gebrauchsanweisung eingehalten werden müssten und es ebenso darauf ankomme, dass vor der Messstelle keine Unebenheiten auf dem Straßenbelag vorhanden sein dürften.

Quelle: Bladt/Wietschorke: Messfehler mit Einseitensensoren 1.0 und ES 3.0 sind möglich;  VKU Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik Juni 2011, S. 218 – 227

Fazit:

Nicht immer wird also “richtig” geblitzt. Die Fahrversuche zeigen auf, dass man im Falle eines Vorwurfs einer Geschwindigkeitsüberschreitung keinesfalls „blind“ auf deren Richtigkeit vertrauen sollte. Die Praxis zeigt nämlich, dass beim “Blitzen”  die Vorgaben der Gebrauchsanweisung eben nicht immer korrekt eingehalten werden. Wenn man also wie im geschilderten Fall des Geländewagenfahrers Zweifel hegt, sollte man sich überlegen, einen auf Geschwindigkeitsmessungen spezialisierten Fachanwalt oder Rechtsanwalt für Verkehrsrecht zu zu beauftragen. In Zusammenarbeit mit einem emtsprechend spezialisierten Sachverständigen kann in den meisten Fällen nämlich eine Aufklärung erreicht werden. Steht eine Rechtschutzversicherung dahinter, wird diese im Falle ihrer Eintrittspflicht i.d.R. die entsprechenden Kosten tragen.

Über RA Schlemm

Rechtsanwalt Romanus Schlemm ist Fachanwalt für Verkehrsrecht und seit 1995 in der Rechtsanwaltskanzlei Ruppert, Schlemm & Steidl, im Anwaltshaus Bad Nauheim (Wetterau) in den Rechtsgebieten Verkehrsrecht und Baurecht tätig. RA Schlemm ist spezialisiert im Bereich der Verkehrsordnungswidrigkeiten, insbesondere für Geschwindigkeitsmessungen. Weitere Schwerpunkte sind Verkehrsstrafsachen und die Unfallregulierung. http://www.ahbn.de

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