Mittwoch , 16 August 2017
Geblitzt mit Poliscan Speed? Restzweifel an Zuordnungssicherheit im dichten Verkehrsgeschehen

Geblitzt mit Poliscan Speed? Restzweifel an Zuordnungssicherheit im dichten Verkehrsgeschehen

Zu diesem Ergebnis kommt ein Aufsatz der Sachverständigen Dipl.-Phys. Klaus Schmedding (Oldenburg) und Olaf Neidel (Perleberg) sowie des techn. Mitarbeiters Thorsten Reuß (Oldenburg). Die Sachverständigen führten im Februar 2012 Fahrversuche mit dem Laser-Geschwindigkeitsmessgerät Poliscan Speed durch. Untersucht wurden vor allem Schrägfahrten und insbesondere die Fahrzugauswahl des Messgeräts.

Der Aufsatz erwähnt mehrere Versuchsfahrten. Zum Einsatz kamen ein SUV (Mercedes ML) und ein Volvo, wobei der Mercedes eine deutlich höher aufbauende und somit größere Reflexionsfläche als der Volvo geliefert habe. Es wurden Einzelmessungen gemacht, aber auch Fahrten, wobei der Volvo und der Mercedes auf zwei Spuren versetzt fuhren.

Im Rahmen der Versuchsfahrten haben die Sachverständigen folgende Erkenntnisse vorgetragen:

  • Messung durch Schrägfahrt (Fahrgasse mit Pylonen, welche unter ca. 7° auf das Messgerät zuführte) hätten ergeben, dass die vom Hersteller angegebene Messwertbildung durch Erfassung der Kraftfahrzeuge tatsächlich in einer größeren Distanz zum Messgerät erfolge – nämlich etwa 50 m davor
  • Da von den Sachverständigen der Verdacht gehegt wurde, dass sich das Messgerät eher an den am Volvo tiefer liegenden Schweinwerfern orientiere, als am Kennzeichen, erfolgten Messfahrten mit verschiedentlich abgedeckter Frontfläche des Mercedes. Hierzu wurde berichtet, dass bei versetzten Schrägfahrten beider Fahrzeuge nicht der gut reflektierende Volvo sondern der wesentlich schlechter reflektierende -da im Frontbereich abgedeckt- Mercedes gemessen worden sei.
  • Die Sachverständigen stuften als bedenklich ein, dass es dem Gerät egal zu sein scheine, “wer hier der bessere Reflektor bei Einfahrt in die Messebene ist”
  • zusammenfassend bekundeten die Autoren, dass die Fahrversuche gezeigt hätten, dass es für die Messwertbildung scheinbar egal sei, welche Reflexionsgüte vom erfassten Fahrzeug erreicht worden sei. Nach Auffassung der Autoren würde die so. “Auslöseschwelle” niedrig liegen, was bedeute, dass alle Objekte, die sich auf das Messgerät zubewegen, erfasst würden – gleichgültig, wie gut sie schließlich reflektieren. Dies führe zu Restzweifeln an der Zuordnungssicherheit im dichten Verkehrsgeschehen.

Quelle: “PoliScan-Software Speed mit neuer Software betriebssicher?” – Aufsatz in der SVR 4/2012 S. 121-126.

Fazit:

Wir berichteten bereits mehrfach über das Laser-Geschwindigkeitsmessgerät Poliscan Speed, z.B. hierhier und in unserer Blitzerinfo.  Messungen mit Poliscan Speed im dichten Verkehr bei mehrspurigen Fahrbahnen sollten daher durchaus kritisch betrachtet werden.

Über RA Schlemm

Rechtsanwalt Romanus Schlemm ist als Fachanwalt für Verkehrsrecht in der Kanzlei Gärth-Martin Steuerberater Rechtsanwalt PartGmbB in Wetzlar in den Rechtsgebieten Verkehrsrecht und Baurecht tätig. Webseiten: www.geblitzt-was-tun.de; www.oldtimer-recht.de; www.gaerth-martin.de

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