Dienstag , 22 August 2017
Gestern Thema im ARD-Magazin “Kontraste”: Moped-Führerschein ab 15 – Experten warnen

Gestern Thema im ARD-Magazin “Kontraste”: Moped-Führerschein ab 15 – Experten warnen

Das ARD-Magazin “Kontraste” hatte am 26.08.2010 das Thema “Moped-Führerschein mit 15” im Programm.

Hintergrund: Aktuell befürwortet insbesondere das KFZ-Gewerbe eine Senkung des Mindestalters für den Kleinkraftrad-Führerschein (wir berichteten). Erklärtes Ziel sei die Steigerung des Umsatzes im Motorradhandel. Der Verkehrsausschuss des Bundestages gab hierzu grünes Licht – zumindest bisher.

Denn mittlerweile hegen “praktisch alle Experten sowie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat” Zweifel, so das ARD-Magazin “Kontraste”. Insbesondere Verkehrspsychologen und Gutachter glauben nicht daran, dass 15-Jährige in der Lage sind, sicher schnellere Mopeds zu fahren, wie Walter Eichendorf vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat darlegt:

(…) „Sie kommen in dem Gutachten zu dem Schluss, dass gerade die Altersgrenze 15,16 eine besonders kritische ist. Junge Menschen sind erst überhaupt mit 14 in den Lage, Risiken einzuschätzen.Sie haben aber dann noch keine Erfahrung. Die sammeln sie mit 15, 16.Paralell dazu klingt die Pubertät langsam ab, so dass die Entwicklungspsychologen ganz klar sagen: Ab 16 ist das Risiko erheblich niedriger als bei den 15-Jährigen.”

Demzufolge ist es hinsichtlich Reife und Entwicklung von wesentlicher Bedeutung, ob ein 15- oder ein 16-Jähriger auf einem 45 km/h Moped sitzt. Dies beweist ganz offensichtlich die Situation in Österreich. Hier ist bereits seit Jahren der Mopedführerschein mit 15 erlaubt. Mit schockierendem Ergebnis: die Zahl der Verunglückten sei “von 50 auf fast 1800 pro Jahr gestiegen”, so das Magazin “Kontraste” – “ein verkehrspolitisches Fiasko” heißt es weiter.

Kritiker behaupten vor allem, man würde eine stark gefährdete Personengruppe auf ein gefährliches Fahrzeug setzen. Das sei die “unglücklichste Kombination von Fahrzeug und Mensch, die man wählen kann (…)”, erklärt Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit.

Demgegenüber hat der Industrie-Verband Motorrad Deutschland e.V. eine ganz andere Auffassung, wie Reiner Brendicke dem Magazin “Kontraste” erläutert:

„Junge Menschen werden an den Verkehr herangeführt. Die Mittel, wie und die Fahrzeuge, mit denen sie an den Verkehr herangeführt werden, sind unterschiedlich. Ob ich mit dem Fahrrad mit 35 oder 40 Stundenkilometern, mit einem tollen Mountainbike, unterwegs bin oder ob ich mit dem Roller unterwegs bin, das ist letztlich kein Unterschied. Doch, es gibt einen Unterschied: Ich bin auf dem Roller gut ausgebildet, ich trag einen Helm.”

Das klingt jedenfalls interessant. Hier werden also Fahrradfahrer mit Mopedfahrern verglichen. M.E. hinkt der Vergleich. Bis auf die Rennradfahrer kenne ich keine “Otto-Normalverbraucher”, die durchgehend mehr als 30 km/h auf dem Fahrrad fahren – und das auch noch mitten auf der Straße. Aber um die Geschwindigkeit geht es in der ganzen Debatte offensichtlich. Gegenargument pro Moped mit 45 km/h wäre der Helm und die Ausbildung. Contra die Reife der fahrenden 15-Jährigen, wie manche anführen (s.o.).

Wie man es dreht und wendet. Es bleibt eine hitzige Diskussion mit guten Argumenten für und gegen den Moped-Führerschein mit 15 Jahren. Jedenfalls möchte ich anmerken, dass in der ländlichen Gegend, aus der ich komme, fast kein Moped (nur) 25 km/h fährt – im Gegenteil: die Mofas sind dort manchmal sogar auf über 60 km/h getunt.

Im Übrigen erklärte Bundesverkehrsminister Ramsauer noch im Vorfeld der gestrigen Sendung in einem Schreiben an das Magazin “Kontraste” u.a.:

„Wenn irgendwelche Zweifel bleiben, werde ich die 15-Jährigen vor Unfällen schützen und das Mindestalter nicht herabsetzen.“

Das Thema bleibt spannend.

Quelle aller o.g. Zitate: Rbb-online.de

Über JR

Leidenschaftlicher Motorradfahrer, LawBike.de Betreiber

5 Kommentare

  1. Der Vergleich hinkt nicht.

    Ab meinem 12. Lebensjahr bin ich bis einschließlich 16 mit dem Fahrrad in einer Gruppe von Freunden zur Schule gefahren. Der kleine Digitaltacho (GPS hatten wir damals noch nicht) bescheinigte mir – nach einem mühsamen Anstieg bei der anschließenden schnellen Talfahrt – Geschwindigkeiten bis 45 km/h. Von mir aus ziehen wir 5 km/h für Ungenauigkeit ab. 40 km/h. Ohne Helm, ohne Schutzkleidung täglich auf einer mehr als 3 Kilometer langen Strecke. Und meine Freunde konnten locker mithalten.

    Kurz vor dem 17. hatte ich dann meine 125er (ein Oldtimer: http://storbeck.me/fundstuck-51). Sie fuhr auf derselben Bergab-Strecke knapp 70. Neben dem Helm trug ich auch Lederklamotten, Handschuhe und Stiefel und nahm die Umzieherei in der Schule dafür in Kauf. Auch heute noch auf dem Weg zur Uni fahre ich mit meiner 50er Simson (max. 60 km/h) oder meiner 1150er BMW (irgendwo jenseits von gut & böse) nur mit Vollausstattung – sie rettet neben dem Leben auch Haut & Knochen.

    Ich weiß, Kinder mit ihren Rollern ist heute schon der Helm zu viel, aber Schutzkleidung ist ein nicht zu unterschätzendes Argument für wie auch immer geartete Zweiradfahrer. Neben dem Helm weitere geeignete Schutzkleidung (Jacken & Hosen, Handschuhe) als Verpflichtung einzuführen halte ich hier für die geeignetere Diskussion als sich nur um das Einstiegsalter zu kloppen.

  2. @Martin
    Ob Schutzkleidung auf dem (motorisierten) Zweirad Pflicht sein sollte, ist ein anderes Thema. Das ergäbe sicherlich eine intensive Diskussion. Sinnvoll wäre es allemal.
    Unabhängig davon macht es für mich durchaus einen erheblichen Unterschied, ob sich ein 15-Jähriger auf ein Fahrrad oder ein Moped (45km/h) setzt. M.E. fährt ein Fahrradfahrer überwiegend auf Fahrradwegen, oder am Straßenrand. Diesen nehme ich als Autofahrer auch ganz anders wahr. Der Roller/Moped-Fahrer hingegen fährt eher in der Mitte.
    Ich bin mehrere Jahre mit einer 50er Vespa (max 45 km/h) durch München gefahren – und ich bin froh, dass ich das Fahrzeug getauscht habe. Mit der Vespa war ich ein einziges Hindernis. Manche Straßen (mittlerer Ring) musste ich sogar umfahren. Genau an diesem Punkt angesetzt, stellt sich die Frage, ob solche Situationen bereits einem 15-Jährigen zugemutet werden können. Die Frage kann ich persönlich nicht einschätzen. Das können sog. Verkehrsexperten/-psychologen besser.

  3. Ich selbst habe mit 15 den Mopedführerschein gemacht. Das war 1965 ! Nur mit Moped war es mir
    möglich, Disdanzen, Wohnung-Schule zu überwinden. Dafür brauchte ich eine Stunde, andere ohne
    Führerschein, brauchten für die gleiche Strecke mit der Bahn, 5 Stunden.
    Nun ist 1970 ein Fahrlehrer aus mir geworden, habe 40 Jahre Fahrschule aller Klassen gemacht
    und bin 2010 in den “Ruhestand” gegangen.
    Ich war schon immer für Führerschein mit 15 und werde es auch immer bleiben!
    Die Jugend von heute ist nicht dümmer geworden als wir es mit 15 waren, sondern das Gegenteil, Sie ist “schlauer” geworden. Wir sollten also Jugentlichen nicht die Kompetenz ab-
    sprechen, mit 15 Moped zu fahren. Alle gegenteiligen Meinungen, können nur von Leuten
    kommen, die wenig mit der Praxis zu tun haben.

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  2. Pingback: Plenarrede vom 20.5.2010 zum Moped-Führerschein mit 15 Jahren | Buy a Moped

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