Kinder auf dem Motorrad

Kinder auf dem Motorrad

Immer wieder kommt es vor, dass Kinder auf dem Motorrad mitfahren wollen. Besonders dann, wenn Kinder noch jung sind, sollte genau geprüft werden, ob eine Mitnahme überhaupt sinnvoll ist.

Folgende Aspekte gilt es zu überdenken, bevor Kinder auf dem Soziussitz Platz nehmen.

I. Rechtliche Rahmenbedingungen

Ob Eltern ihre Kinder auf dem Motorrad mitnehmen, bleibt ihnen in eigener Verantwortung überlassen. Wie dies zu erfolgen hat, regeln die §§ 35a Abs. 9 und 61 StVZO:

§ 35a StVZO: Sitze, Sicherheitsgurte, Rückhaltesysteme, Rückhalteeinrichtungen für Kinder

(9) Krafträder, auf denen ein Beifahrer befördert wird, müssen mit einem Sitz für den Beifahrer ausgerüstet sein. Dies gilt nicht bei der Mitnahme eines Kindes unter sieben Jahren, wenn für das Kind ein besonderer Sitz vorhanden und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Einrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße des Kindes nicht in die Speichen geraten können.

§ 61 StVZO: Halteeinrichtungen für Beifahrer sowie Fußstützen und Ständer von zweirädrigen Kraftfahrzeugen

(1) Zweirädrige Kraftfahrzeuge, auf denen ein Beifahrer befördert werden darf, müssen mit einem Haltesystem für den Beifahrer ausgerüstet sein, das den im Anhang zu dieser Vorschrift genannten Bestimmungen entspricht.

(2) Zweirädrige Kraftfahrzeuge müssen für den Fahrer und den Beifahrer beiderseits mit Fußstützen ausgerüstet sein.

(3) Jedes zweirädrige Kraftfahrzeug muss mindestens mit einem Ständer ausgerüstet sein, der den im Anhang zu dieser Vorschrift genannten Bestimmungen entspricht.

Demnach muss das Motorrad zunächst für den Zweipersonenbetrieb zugelassen sein. Sofern Kinder bereits über eine ausreichende Beinlänge verfügen, um die Soziusrasten zu erreichen, und auch in der Lage sind, sich einen festen Halt auf dem Motorrad zu verschaffen, kann auf die Montage eines speziellen Kindersitzes verzichtet werden.

II. Sonstige Voraussetzungen

Es versteht sich von selbst, dass Kindern gegenüber erwachsenen Beifahrern eine gesteigerte Aufmerksamkeit zu widmen ist.

Hierzu gehört insbesondere:

  • Sichere und passende Motorradbekleidung für das Kind
  • Spezieller Kinderhelm (nicht etwa ein zu großer Zweithelm)
  • Keine zu langen Motorradtouren
  • Regelmäßige Pausen
  • Defensive Fahrweise

Zudem ist zu berücksichtigen, dass Kinder auf Grund ihrer Körpergröße praktisch keine Sicht nach vorne haben. Aus diesem Grund werden sie oftmals gezwungen, den Blick nach rechts oder links zu lenken, was auf die Dauer zu Verspannungen führen kann. Abgesehen davon spielt die persönliche Fitness des Kindes eine wesentliche Rolle. Gerade an heißen Sommertagen sollte der Nachwuchs daher nicht überfordert werden.

III. Fazit

Wenn man sich an das hält, was einem das Gesetz, bestimmte Regeln und der gesunde Menschenverstand sagen, sollte einer entspannten Tour in Begleitung seines Kindes nichts im Wege stehen. Natürlich muss im Vorfeld überlegt werden, ob man seine Kinder angesichts der im Vergleich zum Auto erhöhten Gefährdung im Straßenverkehr überhaupt auf dem Motorrad mitnimmt. Viele können dies – gerade wenn Kinder noch relativ jung sind – nicht verantworten.

Über JR

Leidenschaftlicher Motorradfahrer, LawBike.de Betreiber

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