Mittwoch , 16 August 2017
Kommende EU-Richtlinien für Motorräder

Kommende EU-Richtlinien für Motorräder

Erst 2010 begann die EU Kommission eine neue Typengenehmigung auszuarbeiten, die Kraftfahrzeuge vom Pedelec über Motorräder und Dreiräder bis zum Quad umfassen (zusammengefasst unter der Kategorie L) und die alten Richtlinien von 2002 ablösen. Tatsächlich treten die überarbeiteten Richtlinien nach und nach in Kraft.

Ab 2016 müssen neu entwickelte Modellreihen und ab 2017 alle neuen Motorräder Antiblockiersysteme aufweisen. Ausgenommen davon sind lediglich Trial-Bikes unter 100 kg und Enduros, die u.a. eine Sitzhöhe von über 90 cm haben und weniger als 140 kg wiegen.

Neuregelung der Abgaswerte

Bei den Abgaswerten tritt erst 2020 die neue Euro 5 Norm in Kraft, die für alle neuen Fahrzeuge der Kategorie L gilt, worunter auch Motorräder fallen. Damit soll das Abgasniveau von Motorrädern demjenigen der Autos angepasst werden. Allerdings will die Kommission 2016 nochmals beurteilen, wie sehr beispielsweise Motorräder überhaupt zu den Emissionswerten im gesamten Straßenverkehr beitragen. Entwarnung gibt es dennoch nicht, denn die EU wird aller Voraussicht nach den Motorrädern keinen Persilschein bei den Abgasen ausstellen. Da die bei der Hauptuntersuchung fällige Abgasuntersuchung in den nächsten Jahren strenger werden wird, werden Hersteller darauf achten müssen, die Emissionswerte möglichst niedrig zu halten. Innerhalb der einzelnen Kategorien gelten jedoch Unterschiede.

Mopeds müssen ab 2014 nicht nur die Abgasnorm Euro 4 erfüllen, sondern auch nachweisen können, dass das jeweils eingebaute abgasreduzierende System mindestens 11.000 km hält. Bei Motorrädern ab einer Spitzengeschwindigkeit von 130 km/h muss das abgasreduzierende System ab 2016 sogar mindestens 35.000 km ohne Verschlechterung schaffen. Da zwar bislang festgelegt wurde, was als Verschlechterungsfaktor gilt, noch nicht jedoch ein Prüfzyklus, der bis Ende 2014 vorliegen soll, hat die Industrie maximal zwei Jahre Zeit, um neue Modelle an die neue Verordnung anzupassen.

Weitere Neuregelungen

Analog zur Entwicklung bei den Pkws sind auch für Motorräder On-Board-Diagnosesysteme (OBD) geplant. Stufe 1, die bereits 2016 eingeführt werden soll, sieht vor, dass Fehler in der Elektronik oder im abgasreduzierenden System gemeldet werden. Im Laufe dieses Jahres sollen dazu weitere Details bekannt gegeben werden.
Eine weitere Neuerung betrifft die Tuner, denn im Antimanipulationskatalog sollen Hersteller von geschwindigkeitsbeschränkten Motorrädern (A2), Mopeds, Quads und Trikes Sorge dafür tragen, dass unbefugte Eingriffe in den Antriebsstrang nicht mehr möglich sind. Das Verbot einer Leistungssteigerung oder die Änderung von Abgas- und Geräusch-Emissionen betrifft also nicht Motorräder mit offener Leistung.

Ältere Baureihen und gebrauchte Motorräder

Von den neuen Regelungen sind gebrauchte Fahrzeuge selbstverständlich ausgenommen, denn die neuen Verordnungen gelten für neue Modellreihen. Wer also wenig Lust nach neuer Verordnungswut seitens der EU verspürt, hat immerhin noch die Möglichkeit sich im inzwischen umfangreichen Angebot auf dem Gebrauchtmarkt für Motorräder umzusehen. So bietet beispielsweise Autoscout im Netz deutschlandweit einen der größten Gebrauchtwagenmarktplätze für Motorräder sowie eine Übersicht über alle Motorradtypen. Eine weitere Ausnahme von den neuen Regelungen bilden die Kleinserien, die mit einer Stückzahl von lediglich 75 Stück pro Jahr produziert werden und weniger Auflagen erhalten sollen. Für Mopeds gilt die Obergrenze von 50 Stück, während Gespanne immerhin mit bis zu 150 Stück im Jahr noch als Kleinserie gelten.

Über JR

Leidenschaftlicher Motorradfahrer, LawBike.de Betreiber

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