Dienstag , 22 August 2017
Motorraddiebstahl aus ungesicherter Garage – Kaskoversicherung muss nicht zahlen

Motorraddiebstahl aus ungesicherter Garage – Kaskoversicherung muss nicht zahlen

Dies entschied das Landgericht Hagen durch Beschluss vom 8.6.2011. Es hatte im Rahmen einer Berufung auf ein klageabweisendes Urteil der ersten Instanz über einen Motorraddiebstahl zu entscheiden.

Das zuvor mit dem Fall befasste Amtsgericht wies die Klage des Motorradfahrers gegen seine Kaskoversicherung ab. Das Landgericht wies die Berufung schließlich zurück.

Die Argumente:

  • das Lenkradschloss des Motorrades war nicht betätigt
  • die Garage war nicht ausreichend gesichert; dem Kläger war bekannt, dass das Garagentor ohne Schlüssel geöffnet werden konnte
  • dem Kläger wurde bereits 2001 ein Motorrad aus derselben Garage gestohlen
  • das Motorrad konnte sogar ohne Zündschlüssel gestartet werden, wobei es noch nicht einmal erforderlich gewesen wäre, den Zündmechanismus zu überbrücken (!)

Das Landgericht sah eine Leistungsfreiheit des Kaskoversicherers aufgrund grob fahrlässigen Verhaltens des Klägers.

Quelle: Justizportal Nordrhein-Westfalen, Beschluss 7. Zivilkammer LG Hagen v. 8.6.2011; AZ 7 S 104/08

Fazit: Im  Zweifel sollte man auch beim Abstellen des Motorrads in eine Garage grundsätzlich das Lenkradschloß eingerastet lassen. Soweit sich ein Motorrad ohne Zündschlüssel, wie im beschriebenen Fall, starten lässt, hat man ohnehin ganz schlechte Karten im Diebstahlsfalle.

Über RA Schlemm

Rechtsanwalt Romanus Schlemm ist als Fachanwalt für Verkehrsrecht in der Kanzlei Gärth-Martin Steuerberater Rechtsanwalt PartGmbB in Wetzlar in den Rechtsgebieten Verkehrsrecht und Baurecht tätig. Webseiten: www.geblitzt-was-tun.de; www.oldtimer-recht.de; www.gaerth-martin.de

5 Kommentare

  1. Soweit sich ein Motorrad ohne Zündschlüssel, wie im beschriebenen Fall, starten lässt, hat man ohnehin ganz schlechte Karten im Diebstahlsfalle.

    Heißt das, das ich im Falle eines Diebstahls von einem Fahrzeug, welches bauartbedingt über ein so einfaches Zündschloss verfügt, welches mit einem Schraubendreher bzw. passendem Universal-Schlüssel betätigt werden kann und über ein extra Lenkschloss gesichert wurde, kein Geld bekomme?

    Denke da so an Simson, MZ usw. klingt ja nicht so toll. :-(

    Ansonsten finde ich es vom Halter im o.g. Fall natürlich selten dümmlich das Fahrzeug nicht zu sichern. Das machen wir in unserer Garage immer, auch wenn das Tor mit 3 Schlössern gesichert ist.

  2. @Max Mir ist noch keine Gerichtsentscheidung einer gestohlenen MZ oder Simson bekannt geworden. Wenn aber die Lenkradschoßsicherung – plus evt. einer zusätzlichen Schließsicherung- betätigt wurde, kann ich mir nicht vorstellen, dass dann -bekannte bauartbedingte Einfachheit vorausgesetzt- Leistungsfreiheit ohne weiteres durchgeht.

  3. Also sollte man davon ausgehen, dass bei Nutzung der Lenkradschlosssicherung auch die Kosten übernommen werden?

  4. Ich glaube in diesem Fall spielte es auch eine große Rolle das da schon mal ein Diebstahl vorlag. Die Versicherungen sind nicht doof, ich kann es irgendwie verstehen. Wie ist das eigentlich wenn das Bike gar nicht mehr auftaucht, dann wissen die doch gar nicht ob das Lenkradschloss aktiviert war oder nicht?

  5. Der beschriebene Fall kommt mir etwas eigenartig vor. Ich bin da einiges sicherheitsbewusster. Weil ich dem Garagenschloss nicht recht traue, benutze ich noch ein Abus Fahrrad Bügelschloss. Bisher ist mein Bike so von Diebstahl verschont geblieben.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*