Freitag , 22 September 2017
Motorradfahrer – schneller, aber unsicherer durch den Stau?

Motorradfahrer – schneller, aber unsicherer durch den Stau?

Im Sommer beobachtet man immer wieder, dass Motoradfahrer Zwischenräume nutzen, um schneller einen Stau durchfahren zu können. Die Gründe liegen auf der Hand: Für Motorradfahrer sind Staus eine stärkere körperliche Belastung als für Autofahrer und auch die Wetterverhältnisse lassen die Fahrer oft entnervt ein Überholmanöver starten. Dass die zulässige Variante des Linksüberholens immer noch die sicherste Fahrweise ist, bietet den Motorradfahrer jedoch wenig Trost. Meist ist der vorgeschriebene Sicherheitsabstand nicht einzuhalten und es wird doch wieder zu juristisch verbotenen Manövern gegriffen.

Rechtliche Situation

Gemäß der Straßenverkehrsordnung gilt auch für den Führer des Motorrads grundsätzlich, dass er in Stausituationen stehenbleiben und fahrbereit am Kraftrad verbleiben muss.

Wer sich mit seinem Motorrad zwischen Autos hindurchschlängelt, muss damit rechnen, dass es als unzulässiges Rechtsüberholen gewertet wird. Rechtsüberholen ist grundsätzlich unzulässig§ 5 Abs. 1 StVO. Jedoch hat jeder Grundsatz auch eine Ausnahme. Hier für Rad- und Mofa-Fahrer unter den Voraussetzungen des § 5 Abs. 8 StVO:

Ist ausreichender Raum vorhanden, dürfen Radfahrer und Mofa-Fahrer Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht rechts überholen.

Im Übrigen darf man auf der Autobahn auch nicht die Standspur benutzen, um an wartenden Autos vorbeizufahren. Wenn man sich an das Gesetz hält, sollte man -wenn überhaupt- nur auf der äußerst linken Spur zum Linksüberholen ansetzen. Hierfür bleibt aber oft kein ausreichender Platz bzw. ist dies meist noch riskanter, als sich zwischen wartenden Autos hindurch zu schlängeln.

Trotz juristischer Sachlage kommt es in Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande und Großbritannien bei Zuwiderhandeln praktisch nicht zur Anzeige – wohingegen eine erhebliche Rechtsunsicherheit herrscht, wenn es dann wirklich zu einem Unfall kommt.

Vorbild aus Österreich

Abhilfe könnte beispielsweise eine rechtliche Regelung schaffen, wie sie bereits seit 10 Jahren in Österreich praktiziert wird. Hier ist das Durchschlängeln erlaubt und wird unter bestimmten Voraussetzungen nicht geahndet. Die deutschen Vorschläge sind ähnlich. Sinnvoll wäre es, dem Motorradfahrer das Verlassen der Autobahn in Stausituationen über die Rettungsgasse oder den Seitenstreifen zu ermöglichen – nicht zuletzt, um das Unfallrisiko zu minimieren.

Um sich als Kraftradführer sicher zu verhalten, sollte die Autobahn bereits bei stockendem Verkehr verlassen werden. Ausreichender Sicherheitsabstand wie auch die richtige Bereifung des Fahrzeugs vermeidet zudem kritische Situationen. Darüber hinaus ist das Überholen bei Stillstand, jedoch nicht bei zählfließendem Verkehr ratsam.

Über JR

Leidenschaftlicher Motorradfahrer, LawBike.de Betreiber

3 Kommentare

  1. Ein weiterer Grund für das Durchschlängeln ist übrigens noch:
    ältere luftgekühlte Zweiräder.

    Meins wird dermaßen heiß, dass es letztlich auf einen Motorschaden hinauslaufen kann.
    Das Problem ist das ewige Stop-And-Go.

    Hier kommt auch noch hinzu, dass das teilweise sehr langsame anrollen der Autos für Motorradfahrer zu einer Hampelqual wird. Gleichzeitig wird die linke Hand wegen der Kupplung massiv belastet. Hier redet niemand von 30min aber wenn der Stau deutlich länger dauert, wird das durchaus sehr schmerzhaft….

  2. In den Niederlanden ist das Durchschlängeln nicht verboten !

    Es wurde eine Regelung mit den Versicherungen festgelegt, in der klare Verhaltensregeln festgelegt sind (u.a. max 10 km/h schneller als die anderen Fahrzeuge). Diese Regelung wurde schon juristisch überprüft und hat standgehalten. Hält man sich an den Verhaltensregeln, haftet bei einem Unfall der Autofahrer (z.B. bei einem plötzlichen Fahrspurwechsel).
    Siehe http://www.motorplatform.nl/samenspelindefile.htm

  3. Thorben Kaufmann

    Das Beispiel Niederlande ist mE. hervorragend! In vielen deutschen Foren findet man immer wieder Anmerkungen wie “der Motorradfahrer will sich unerlaubt Vorteile erhaschen” sowohl von den Autoren als auch von den Kommentatoren. Das zeigt mir einen kleingeistigen Habitus nach der Art dem jeweils anderen nichts gönnen können. Was war an dieser Stelle zuerst da, der kleine Geist oder das Gesetz dazu, das Ei oder das Huhn?
    Man sollte sich hierbei auch per Petitionen mehr eingeben, denke ich.
    Oder eine neue Regel: Der Kradfahrer hat im Stau das Recht auf einen Sitzplatz in einem klimatisierten Auto und Kaltgetränke frei.
    Gute Tag.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*