Sonntag , 28 Mai 2017
Motorradsturz auf Rollsplitt – Fallbeispiel mit Checkliste

Motorradsturz auf Rollsplitt – Fallbeispiel mit Checkliste

Der Fall:

Eine Motorradfahrerin stürzte innerorts (zul. Höchstgeschwindigkeit 30 km/h) auf einer feuchten Straße, auf welcher sich ebenfalls Rollsplitt aufgrund vorangegangener Ausbesserungsarbeiten befand. Ob die 30er-Beschilderung vorhanden bzw. sichtbar war, ist streitig. Sie war -nach ihren Angaben- höchstens mit 30 km/h unterwegs und alleine unterwegs und behauptete, dass sie den Rollsplitt auf der Straße nicht habe erkennen können, da dieser nicht in einzelnen Bereichen, sondern flächig aufgetreten sei. Schließlich gab sie an, dass sie dem Rollsplitt nicht habe ausweichen können und Warnschilder in dem von ihr befahrenen Bereich nicht vorhanden gewesen seien. Lediglich vor der Einmündung und hinter der nächsten Einmündung (nach der Unfallstelle) sei ein Warnschild gewesen. Das Motorrad und die Schutzkleidung seien beschädigt worden und sie erlitt eine Schulterprellung. Die Motorradfahrerin verklagte das Land Brandenburg wegen Amtspflichtverletzung bzw. Verletzung der Verkehrssicherungspflicht und auch die Straßenbaufirma.

Das beklagte Land verteidigte sich damit, dass die Motorradfahrerin infolge unangemessener Geschwindigkeit gestürzt sei und in dem Bereich der Unfallstelle überhaupt keine Arbeiten durchgeführt worden seien. Warnschilder seien ausreichend aufgestellt gewesen. Schließlich habe die Motorradfahrerin zwischen den Bereichen in denen Splitt gelegen habe, hindurchfahren können.

Das Urteil:

Nach Klageabweisung durch das Landgericht gelangte der Fall zum Brandenburgischen Oberlandesgericht. Das OLG bestätigte das klageabweisende Urteil und glaubte der Motorradfahrerin nicht. Nach Auffassung des OLG sei der Splitt erkennbar gewesen und die Motorradfahrerin sei nicht mit der notwendigen Vorsicht gefahren und habe zu spät gebremst. Hinzu kam, dass die Motorradfahrerin zunächst schilderte, dass das Motorrad nach rechts weggerutscht sei und erst auf den Vorhalt, dass die Beschädigungen des Motorrads ja auf der rechten Seite gewesen waren, ihre Unfallschilderung korrigiert habe.

Quelle: Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 20.08.2013; AZ 2 U 34/12

Fazit und Checkliste zur Vorbereitung einer möglichen Unfallregulierung:

Die Durchsetzung von Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüchen bei einem Motorradunfall  wegen Schlaglöchern, Rollsplitt oder ähnlichen für Zweiräder negativen Straßenzuständen ist nicht selten äußerst schwierig. Kommt es zu einem Unfall, sollte –falls möglich- zur späteten Beweisführung folgendes beachtet werden:

  • Unfallzeugen sind ganz wichtig! Ist man alleine auf Tour, sollte man checken, ob Passanten oder andere Verkehrsteilnehmer oder Anwohner den Unfall gesehen haben! Nicht nur die Telefonnumer, sondern auch unbedingt die volle Adresse der Zeugen notieren
  • Fotos der Unfallstelle aus verschiedenen Perspektiven fertigen bzw. von Zeugen fertigen lassen; möglichst auch mit dem verunfallten Krad.
  • Bei Schlaglöchern, Rollsplitt oder anderen Gefahrenstellen die Beschilderung kontrollieren. Sind Schilder (fotografieren!) vorhanden, auch deren Standort (Skizze o.ä.) fotografisch festhalten und insbesondere die Entfernung zur Gefahrenstelle so gut wie möglich messen/ermitteln.
  • ggflls. Polizei zur Unfallaufnahme anrufen
  • idealerweise den Unfallhergang schriftlich festhalten, damit man -z.B. bei späteten Gerichtsverfahren- keine Erinnerungslücken erleidet

Info zur Unfallregulierung bei Verkehrsunfällen gibt´s hier und hier

Über RA Schlemm

Rechtsanwalt Romanus Schlemm ist als Fachanwalt für Verkehrsrecht in der Kanzlei Gärth-Martin Steuerberater Rechtsanwalt PartGmbB in Wetzlar in den Rechtsgebieten Verkehrsrecht und Baurecht tätig. Webseiten: www.geblitzt-was-tun.de; www.oldtimer-recht.de; www.gaerth-martin.de

2 Kommentare

  1. Und wie dokumentiert man eine nicht vorhandene Beschilderung?

    • @Bla: z.B: mit einem Satz und Bezugnahme auf Fotos: Warnschilder waren ausweislich der kurz nach dem Unfall gefertigten Fotos nicht vorhanden. Ideal, wenn auch Zeugen dies bestätigen können.

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