Dienstag , 22 August 2017
Motorradsturz durch Fußball – oder die Verkehrssicherungspflicht eines Fußballvereins

Motorradsturz durch Fußball – oder die Verkehrssicherungspflicht eines Fußballvereins

Das Landgericht Detmold hatte am 20.10.2010 über einen Sturz eines Motorradfahrers wegen eines “verirrten” Fußballs zu entscheiden.

Der Sachverhalt:

Der Motorradfahrer befuhr mit seinem  fabrikneuen Motorrad Suzuki mit circa 25 km/h eine Straße, welche an ein Sportplatzgelände angrenzt. Dort ist eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h. Das Sportplatzgelände ist an der Böschung zu der Straße angrenzenden Seite mit Bäumen und Sträuchern bewachsen; des weiteren befindet sich dort ein circa 2 m hoher Maschendrahtzaun (welcher an verschiedenen Stellen Löcher aufweist).

In dem Zeitpunkt, als der Motorradfahrer diesen Bereich gerade passierte, gelangte ein Fußball vom Sportplatzgelände auf die Straße. Der Motorradfahrer verlor deshalb die Kontrolle über sein Motorrad. Er stürzte und zog sich nicht unerhebliche Verletzungen zu. Auch an dem Motorrad entstand erheblicher Schaden.

Das Gerichtsverfahren:

Der Motorradfahrer verklagte den für das Sportplatzgelände verkehrssicherungspflichtigen Verein u.a. auf Ersatz seines Fahrzeugschadens, seiner beschädigten Schutzkleidung, auf die Bergungskosten und Schmerzensgeld. Der beklagte Verein wandte u.a. ein, dass der Motorradfahrer mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren sei.

Das Landgericht Detmold gab dem Motorradfahrer rechtsah aber eine Mithaftung aus Betriebsgefahr in einer Quote von 30 % zulasten des Motorradfahrers. Ein Mitverschulden wegen überhöhter Geschwindigkeit bestätigte sich nicht.

Das Landgericht Detmold stellte fest, dass der beklagte Verein am Unfalltag seine entsprechende Verkehrssicherungspflicht gegenüber dem  Motorradfahrer  schuldhaft verletzt habe. In den Entscheidungsgründen kam das Landgericht zu dem Ergebnis, dass es dahinstehen könne, ob eine seitliche Absicherung eines Fußballplatzes gegen abirrende Bälle durch einen circa 2 m hohen Ballfangzaun ausreichend sei. Das Landgericht sah die Verkehrssicherungspflichtverletzung darin, dass der Zaun Durchgangsöffnungen aufweise, um fehlgehende Bälle zurückzuholen. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme sei nämlich der zum Sturz führende Ball durch die Durchgangsöffnung im Zaun auf die Straße gelangt. Nach Auffassung des Landgerichts hätte hier der Durchgangsbereich – zum Beispiel durch eine Tür- gegen das Durchfliegen von Bällen gesichert werden müssen.

Hier geht´s zum Volltext der Entscheidung des Landgerichts Detmold v. 20.10.10, AZ  12 O172/09

Fazit:

Obwohl der Motorradfahrer nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h sogar noch unterschritten hat, sah das Landgericht eine Mithaftung. Nach Auffassung des Landgerichts Detmold hätte der Motorradfahrer seine Geschwindigkeit noch deutlich unter das erlaubte Maß herabsetzen müssen, um besser auf unvorhersehbare Ereignisse -wie abirrende Bälle- reagieren zu können.

Um einer Mithaftung in solchen Fällen zu entgehen, empfiehlt es sich also, im Bereich von an Straßen angrenzenden Sportstätten deutlich unter der dort zulässigen Höchstgeschwindigkeit zu bleiben.

Über RA Schlemm

Rechtsanwalt Romanus Schlemm ist als Fachanwalt für Verkehrsrecht in der Kanzlei Gärth-Martin Steuerberater Rechtsanwalt PartGmbB in Wetzlar in den Rechtsgebieten Verkehrsrecht und Baurecht tätig. Webseiten: www.geblitzt-was-tun.de; www.oldtimer-recht.de; www.gaerth-martin.de

7 Kommentare

  1. da bleibt dann wohl nur: Absteigen und schieben :-).

  2. @Burhoff …oder einen Trialkurs besuchen 😉

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