Samstag , 1 Oktober 2016

“M+S”-Reifen – die Schwachstelle der künftigen Winterreifenpflicht?

Die Winterreifenpflicht kommt. Die Bundesregierung dürftedie Verordnung in der vom Bundesrat geänderten Fassung voraussichtlich nächste Woche, also Anfang Dezember, in Kraft setzen.

Nur bei ganz bestimmten Wetterverhältnissen (Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte) sind Winterreifen künftig vorgeschrieben. In dieser Hinsicht könnte man die neue Regelung durchaus als gelungen und nicht als zu unbestimmt bezeichnen.

Einen festgelegten Zeitraum für die Winterreifenpflicht wird es deswegen nicht geben, weil hierfür die Wetterverhältnisse in Deutschland zu unterschiedlich sind, so das BMVBS.

Aber was ist mit der Definition Winterreifen?

Fakt ist: eine Definition des Winterreifens sucht man im ursprünglichen Entwurf, welcher vom Bundesrat modifiziert übernommen wurde, vergeblich. Das Wort “Winterreifen” wird noch nicht mal erwähnt. Stattdessen verweist die geplante Novellierung der StVO auf die EU-Richtlinie 92/23/EWG. Als Winterreifen gelten hiernach bereits auch solche Reifen, die eine “M+S” Kennzeichnung (Matsch & Schnee, bzw. engl.: Mud & Snow) tragen – auch Ganzjahresreifen sind erlaubt, so das BMVBS. Eine klare Definition ist das aber nicht. Zudem ist das “M+S”-Symbol -bislang (noch)- nicht rechtlich geschützt und kann auch auf nicht wintertauglichen Reifen angebracht werden. “Insbesondere chinesische und amerikanische Hersteller verwenden dieses Symbol auch auf Sommerreifen” (vgl. Stiftung Warentest: Heft 12/2010, Seite 76 sowie hier). Eine Schwachstelle der neuen Winterreifenpflicht? Wohl ja, wenn man bedenkt, dass letztere vor allem deswegen eingeführt wird, um die Sicherheit auf deutschen Straßen zu erhöhen.

Besser sieht es da schon mit dem Schneeflockensymbol aus, das derzeit von der amerikanischen Straßenbehörde NHTSA vergeben wird. Dieses dürfen sich Reifenhersteller nur dann auf ihre Winterreifen prägen, wenn diese in einem speziellen Test eine gewisse Mindesttraktion auf Schnee und Eis erreichen.

Schneeflockensymbol

Mit Winterreifen, die durch ein solches Schneeflockensymbol gekennzeicht sind, fährt man also im wahrsten Sinne des Wortes -zumindest aktuell- im Zweifel besser.

An einer verbindlichen, international einheitlichen Kennzeichnung von Reifen wird auf europäischer Ebene aber bereits gearbeitet (vgl. Pressemitteilung des BMVBS).

Update 28.11.2010 um 22:34:

Schön, das Spiegel TV (Magazin) o.g. Problematik aufgegriffen und letztlich bestätigt hat. Wenn auch recht kurz. Im Beitrag führte ein Autohändler einen Reifen vor, der bei einem Toyota als Erstbereifung montiert wird, die Bezeichnung “M+S” trägt, aber ein reiner Sommerreifen ist.

Quelle des Bidles: wikipedia

Über JR

Leidenschaftlicher Motorradfahrer, LawBike.de Betreiber

9 Kommentare

  1. Wie gut, dass meine vor einigen Wochen gekauften Winterreifen das Schneeflocken-Symbol haben. Meines Wissens gibt es sogar Ganzjahresreifen, die auch durch “M und S” gekennzeichnet sind. Ob die dann auch so sicher sind, wie echte Winterreifen mit Schneeflocken-Symbol, ist schon sehr fragwürdig.

  2. Also im Winter sollte man doch schon auf echte Winterreifen vertrauen. Faustregel von A (April) bis O (Oktober) Sommerreifen, danach Winterreifen. Natürlich gilt das für Deutschland. Eine andere Regel: Unter 7 Grad Celsius auf Winterreifen umsteigen.

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