Samstag , 3 Dezember 2016
Musik hören mit MP3-Player und Kopfhörer auf Motorrad verboten?

Musik hören mit MP3-Player und Kopfhörer auf Motorrad verboten?

Inspiriert durch einen Blogeintrag von RA Kümmerle auf schadenfixblog.de, nehme ich die dort aufgeworfene Frage, ob Musikhören während des Fahrradfahrens verboten ist, zum Anlass zu hinterfragen, ob dies auch auf dem Motorrad der Fall ist.

Wenn es auf dem Fahrrad verboten sein sollte, dann erst recht auf dem Motorrad, werden manche sagen! Die Antwort liefert § 23 I StVO. Danach ist ein Verkehrsteilnehmer, ob auf zwei oder vier Rädern unterwegs, dazu verpflichtet, es zu unterlassen, sowohl seine Sicht als auch sein Gehör zu beeinträchtigen. Fraglich an dieser Stelle ist nur, wann eine Beeinträchtigung vorliegt. Das Musikhören per Kopfhörer während des Motorradfahrens ist nicht generell verboten. Eine Beeinträchtigung liegt aber jedenfalls dann vor, wenn durch zu laute Musik gewisse Grenzwerte überschritten werden.

Ob und inwieweit die Voraussetzungen einer solchen Beeinträchtigung vorliegen, beurteilt der Tatrichter nach den jeweils festgestellten Umständen, wie ein bereits etwas älterer Beschluss des OLG Köln v. 20.02.1987 (Az.: SS 12/87) zeigt:

1. StVO § 23 will als Spezialnorm alle Fälle erfassen, in denen ein Fahrzeugführer sein Hörvermögen durch irgendwelche Geräte, insbesondere durch Tonübertragungsgeräte, beeinträchtigt. Des Rückgriffs auf die allgemeinere Bestimmung des StVZO § 2, die sämtliche Verkehrsteilnehmer – auch Fußgänger – erfaßt, bedarf es danach nicht mehr. Die durch Geräte künstlich erzeugte Gehörbeeinträchtigung, wie sie in StVO § 23 vorausgesetzt wird, läßt sich infolgedessen als besonders geregelter Fall einer (vorübergehenden) Schwerhörigkeit iS vonStVZO § 2 verstehen. In den genannten Fällen der Gehörbeeinträchtigung liegt also Gesetzeseinheit vor, dergestalt, daß nur StVO § 23 zur Anwendung kommt, während StVZO § 2 verdrängt wird.

2. Radfahrern ist die Benutzung eines Walkmans mit Kopfhörer oder eines sonstigen Tonübertragungsgeräts jedenfalls dann untersagt, wenn die im Einzelfall eingestellte Lautstärke zu einer Gehörbeeinträchtigung iS des StVO § 23 führt. Dazu bedarf es keiner erheblichen Beeinträchtigung. Es genügt bereits eine geringfügige Überschreitung der Grenze, die eine unerhebliche Beeinflussung des Gehörs durch die genannten Geräte zu einer bedeutsamen Beeinträchtigung trennt.

(…)

Abgesehen davon: stilechte Biker genießen ohnehin die “Musik” des Endschalldämpfers, wobei auch hier gewisse Regeln beachtet werden müssen ;-).

Fazit:

Es kommt also darauf an, ob die Lautstärke im Einzelfall derart laut ist, dass hierdurch gewisse Grenzwerte überschritten werden. Auf dem Motorrad dürfte dies allerdings schnell der Fall sein, insbesondere wenn man bedenkt, dass bereits das Tragen des Motorradhelms die Wahrnehmung der Umgebungsgeräusche erheblich vermindert.

Gleiches gilt natürlich auch für das Tragen von Gehörschutz im Helm. Beeinträchtigt/Dämmt er zu stark, liegt ein Verstoß im Sinne des § 23 I StVO vor.

Über JR

Leidenschaftlicher Motorradfahrer, LawBike.de Betreiber

10 Kommentare

  1. Mein Fahrlehrer sagte mir ein Kopfhörer wäre OK, beide nicht.
    So halte ich das auch.
    Insbesondere bei langen Autobahnetappen ist ein wenig musikalische Untermalung ein Segen, wie ich finde. Und das beeinträchtigt mich auch nicht mehr als Navi, Funk oder Ohropax.

  2. Ernie: bei Navi und Funk gilt es aber noch zu berücksichtigen, dass das ja keine Dauerbeschallung ist, sondern eher vereinzelt (sofern man nicht mit so einer Labertasche fährt, die die ganze Zeit reden will :))

    Ansonstens gilt das oben Gesagte natürlich nicht nur für Kopfhörer, sondern auch für schlicht zu stark aufgedrehte Musikanlagen mit normalen Lautsprechern. Allerdings betrifft das im hiesigen Blog wohl allenfalls Goldwing-Fahrer :)

  3. Test haben ergeben das der Fahrtwind bei 120km/h einen geräuschpegel von 86,8 bis 105,4 db ereichen kann (hängt vom Helm ab). In der Industrie ist ab 85 db ein gehörschutz vogeschrieben. Es könnte ja sein das Kopfhörer sozusagen ein Gehörschutz ist.

  4. Hallo,

    Solange man die Sirenen der Einsatzfahrzeuge hört darf man auch musik hören,oder hält die Polizei alle Autos an die das Nummernschild klappern lassen mit 500 Watt.

    Apropo nichts hören,wenn ich ab 200 km/h über die Bahn sause dann ist der Geräuschpegel so laut das ich nach nur 20/30 km ein sausen auf den Ohren bekomme da ist der Mp3 Player aber leiser (Mein Helm ist Hochwertig und dafür Ausgelegt,aber die Db´s bekommt man nur mit Gehörschutz zum Teil weg).Wie Hapco schon sagte das fängt ab 100 km/h an dann wirds zügig lauter.

    Mfg
    Coooobbbraaaaaaa

  5. Es wird ständig von irgendeiner “Grenze” gesprochen. Im Urteil wie auch in der StVO, aber so recht beziffert wird sie nirgends.

  6. Bei meinem billigen alltagshelm höre ich ab 100 km/h sowieso nichts mehr, dann zumindest auf einem Ohr in ears zum dämpfen der windgeräusche + leise Musik ist eher zum wohle der Verkehrssicherheit… In der Stadt allerdings lässt man das besser

  7. Ich fahre schon lange mit Kopfhörern Motorrad, und möchte meine Erfahrungen teilen:

    Ich nutze Shure 215 InEars, die sind schön flach und schirmen die Aussenwelt teilweise ab, dienen also auch prima als Gehörschutz. Die Musik selbst läuft relativ leise, weil Störgeräusche abgeschirmt werden. Aber den Verkehr hört man noch ausreichend, auch Martinshörner sind von weitem ortbar. Persönlich höre ich überwiegend Hörbücher, was den Störfaktor weiter senkt, oder eher ruhige Musik. Basslastige Musi wie diverese Metal oder speziell Rammstein sind nicht empfehlenswert, da der massive Bass und Schlagzeug dann doch zu sehr abschotten würden. Aber das ist alles Erfahrungssache. Probleme mit der Obrigkeit hatte ich deswegen noch nicht. Ab 110 kmh wird der Fahrtlärm aber so stark, dass man praktischerweise dazu angehalten wird, die Höchstgeschwindigkeit nicht zu überschreiten.

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