Mittwoch , 18 Oktober 2017
Super E5, Super E10, Super Plus – eine Qual der Wahl

Super E5, Super E10, Super Plus – eine Qual der Wahl

Vor der Einführung der neuen Kraftstoffsorte E10 bestand kein Zweifel: ich betanke mein Motorrad mit Super (E5, 95 Oktan). Dafür wurde es schließlich ausgelegt. Normal-Benzin (91 Oktan) kam nicht in Frage und das teure Super Plus (98 Oktan) hätte der Motor nicht zu schätzen gewusst. Eine klare Entscheidung an der Tankstelle.

Jetzt herrscht allgemein Unsicherheit. Das E10 soll angeblich umweltfreundlicher sein. Mehr “Bio im Benzin”, so wird es vom Bundesumweltministerium umjubelt. Dies sieht der “Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland” (BUND) anders:

“Was die Umweltbilanz betrifft ist E 10 eine Mogelpackung und ein Fall von Verbrauchertäuschung. Die Ausweitung der Ethanolproduktion aus Weizen, Zuckerrüben oder Mais und die damit ausgelöste Nutzung zusätzlicher Anbauflächen für Getreide und andere Pflanzen zur Ernährung kann im Vergleich zu herkömmlichem Kraftstoff insgesamt sogar höhere Kohlendioxid-Emissionen verursachen”, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in Berlin. Agrosprit sei aus Umweltsicht nicht besser als herkömmliches Benzin. Den Autoherstellern und der Bundesregierung biete die Einführung von “E10” außerdem ein Alibi, sich von der schnellen Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge zu verabschieden.

Darüber hinaus steht mittlerweile fest, dass der Kraftstoffverbrauch durch die Benutzung von mehr Bioethanol im Kraftstoff erhöht ist und der Motor weniger Leistung hat – wenn auch nur marginal, aber immerhin. Mir jedenfalls reicht das, um dem E10 nicht mehr ganz so freundlich gegenüber zu stehen.

Netterweise hat man sich dafür entschieden, eine “Schutzsorte” für all diejenigen beizubehalten, deren Fahrzeuge kein E10 vertragen. Die EU Richtlinie 2009/30/EG führt hierzu aus:

Einige ältere Fahrzeuge sind für die Verwendung von Kraftstoff mit einem hohen Anteil an Biokraftstoff nicht freige­ geben. Diese Fahrzeuge bewegen sich möglicherweise grenzüberschreitend in mehreren Mitgliedstaaten. Daher muss in einer Übergangszeit die stetige Versorgung mit für diese älteren Fahrzeuge geeigneten Kraftstoffen gesichert werden. Die Mitgliedstaaten sollten diese in Abstimmung mit den Beteiligten in angemessener Weise im gesamten Gebiet sicherstellen und dabei die Nachfrage nach dieser Art von Kraftstoff berücksichtigen. Die Kennzeichnung von Kraftstoff etwa als E5- oder E10-Kraftstoff sollte mit der entsprechenden, durch das Europäische Komitee für Normung (CEN) festgesetzten Norm im Einklang stehen.

Als Schutzsorte soll langfristig aber das teure Super Plus (98 Oktan) dienen, das alte Super wird vom Markt genommen.

Um den Kauf von E10 zu fördern, ist das altbewährte Super nunmehr genauso teuer wie das Super Plus. Zum gleichen Preis würde wohl kaum jemand auf das neue E10 umsteigen, dafür sind die Vorbehalte zu groß.

Nur der Druck übers Portemonnaie kann dazu führen, dass die politisch gewollte Quote erfüllt wird. Gerade ältere Autos vertragen den Biomix schlecht. Abgesehen von der Gruppe der Oldtimerfahrer, müssen also ausgerechnet diejenigen, die sich nur einen alten Wagen leisten können, den teuersten Sprit tanken.

Bleibt die aktuelle Situation an der Tankstelle:

E10 erzeugt Unsicherheit, ist aber im Vergleich die preiswertere Benzinsorte -wenn man beim Tanken überhaupt noch von “preiswert” reden kann. Super (E5) und Super Plus stehen preislich auf gleich teurem Niveau, was dem normalen Super (E5) im Grunde das Argument nimmt, es zu tanken. Dann lieber gleich Super Plus -auch wenn es an sich nichts bringt, außer vielleicht einen ruhigeren Motorlauf, den man aber wahrscheinlich gar nicht merkt.

E5, E10, Super Plus – eine Qual der Wahl.

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Quellen der o.g. Zitate: BUND.net; stern.de

Über JR

Leidenschaftlicher Motorradfahrer, LawBike.de Betreiber

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