Dienstag , 22 August 2017
Tipps zum Kauf eines gebrauchten Motorrads Teil 2: Kauf beim Händler “im Kundenauftrag”

Tipps zum Kauf eines gebrauchten Motorrads Teil 2: Kauf beim Händler “im Kundenauftrag”

In Teil 1 berichteten wir über die Gewährleistung und Garantie beim Gebrauchtmotorradkauf vom Händler. In diesem Beitrag geht es um einen Händlerverkauf “im Kundenauftrag”.

Ein fiktiver Fall:

Das Motorrad wird von einem Händler im Internet auf dessen Webseite oder in dessen Händlerbereich einer Gebrauchtfahrzeugplattform angeboten mit dem Zusatz: “Verkauf im Kundenauftrag”

Was bedeutet dies? Worin liegt der Unterschied zum “normalen” Kauf beim Händler?

In Teil 1 haben wir berichtet, dass Händler beim Verkauf eines gebrauchten Motorrads an privat (Verbrauchsgüterkauf) die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche für Sachmängel, welche normalerweise 2 Jahre umfassen, nicht völlig ausschließen, sondern nur auf 1 Jahr reduzieren können.

Bei einem Verkauf von “Privat an Privat” ist das anders; dort kann der -private- Verkäufer die Gewährleistungsansprüche für Sachmängel völlig ausschließen.

Verkauft nun ein Händler nachvollziehbar ein Fahrzeug “im Kundenauftrag”, dann könnte dies ein sog. “Agenturgeschäft” sein mit der Konsequenz, dass dann ebenfalls ein kompletter Gewährleistungsausschluß für Sachmängel wirksam vom Händler im Vertrag vereinbart werden kann.

Dessen sollte sich ein Gebrauchtfahrzeugkäufer bewußt sein, bevor er sich zum Vertragsschluß entscheidet.

Leider treten aber auch Fälle auf, in welchen der Verkauf “im Kundenauftrag” vom Händler nur vorgeschoben wird, mit dem Ziel, sich den entsprechenden Gewährleistungsansprüchen zu entziehen. Dies nennt man dann “Umgehungsgeschäft”.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn das Fahrzeug vom Händler ohne den Zusatz “Verkauf im Kundenauftrag” inseriert wird und erst kurz vor Vertragsunterzeichnung vom Händler scheinbar beiläufig- erwähnt wird, dass das Fahrzeug von seiner Oma, seinem Mitarbeiter oder einem Kunden etc., stammt und der Händler im vorgelegten Vertragsvordruck auch gar nicht als Verkäufer aufgeführt wird. Es ist daher durchaus ratsam, den vorgelegten Vertrag auch vollständig zu lesen.

Für den Kunden muss klar ersichtlich sein, dass es sich rechtlich um einen Privatverkauf handelt.

In manchen Fällen lohnt sich ein genaueres Hinschauen vor Vertragsschluss;  z. B. dann, wenn der Preis des angebotenen Fahrzeugs durchaus dem Preisniveau eines entsprechenden Händlerverkaufs entspricht. Der Nachweis eines Umgehungsgeschäftes ist nämlich oft nur sehr schwer möglich. Im Zweifelsfall kann man ja mal beim angegebenen privaten Verkäufer nachfragen, ob dieser mit dem Händler auch eine entsprechende Verkaufsvereinbarung geschlossen hat.

Liegt ein wirksames Agenturgeschäft vor und es treten Mängel auf oder es offenbart sich ein nicht im Vertrag erwähnter Unfallschaden, dann bleibt nur die Haftung wegen arglistiger Täuschung, die sog. “Arglisthaftung”, welche oft nur schwer nachweisbar ist.

Über RA Schlemm

Rechtsanwalt Romanus Schlemm ist als Fachanwalt für Verkehrsrecht in der Kanzlei Gärth-Martin Steuerberater Rechtsanwalt PartGmbB in Wetzlar in den Rechtsgebieten Verkehrsrecht und Baurecht tätig. Webseiten: www.geblitzt-was-tun.de; www.oldtimer-recht.de; www.gaerth-martin.de

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