Mittwoch , 16 August 2017
Winterreifen? Pflicht? – für Motorräder?

Winterreifen? Pflicht? – für Motorräder?

Update: Beachten Sie bitte, dass unten stehender Artikel vom Februar 2010 stammt und noch die StVO alter Fassung zu Grunde legt. Aktuelle Artikel zur künftigen Winterreifenpflicht finden Sie hier:

Alle relevanten Artikel zur Winterreifenpflicht finden Sie hier.

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In Autofahrerkreisen wird derzeit vielfach diskutiert, ob es nun eine gesetzliche Winterreifenpflicht gibt oder nicht.

Die Antwort ist relativ einfach: Es kommt auf die Wetterverhältnisse an.
Wird man bei winterlichen Wetterverhältnissen mit Sommerbereifung erwischt, droht ein Verwarnungsgeld von 20,- EUR.

Verursacht man dabei eine Verkehrsbehinderung, z.B. durch Benutzung der gesamten Straßenbreite, extreme Langsamfahrt oder Liegenbleiben, droht ein Bußgeld von 40,- EUR und ein Punkt in Flensburg. Dies gilt z.B. auch für den Fall, wenn man keinen Frostschutz in der Scheibenwaschanlage hat!

Was macht nun der Motorradfahrer, welcher bei jeder Witterung fahren möchte?

Der Gesetzgeber hat eigentlich motorisierte Zweiradfahrzeuge nicht außen vor gelassen, als er die Straßenverkehrsordnung im Jahr 2006 entsprechend modifizierte:

In § 2 StVO Absatz 3a Satz 1 heißt es

“Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage.”

Nun gibt es wohl kaum extra Winterbereifung für Motorräder mit Ausnahme von  Reifen für Enduros, die die Kennzeichnung “M+S” tragen.

Praktisch habe ich zwar noch von keinem Fall gehört, m. E. dürfte jedoch ein Motorradfahrer, welcher mit normalen Reifen auf Schnee-oder eisglatter Fahrbahn angetroffen wird, Gefahr laufen, mit einem Verwarnungsgeld von 20 € belegt zu werden; im Falle einer Verkehrsbehinderung wie oben geschildert sogar mit einem Bußgeld von 40 € und einem Punkt in Flensburg.

Über RA Schlemm

Rechtsanwalt Romanus Schlemm ist als Fachanwalt für Verkehrsrecht in der Kanzlei Gärth-Martin Steuerberater Rechtsanwalt PartGmbB in Wetzlar in den Rechtsgebieten Verkehrsrecht und Baurecht tätig. Webseiten: www.geblitzt-was-tun.de; www.oldtimer-recht.de; www.gaerth-martin.de

5 Kommentare

  1. Moin! Interessant wäre doch die Frage, was genau “geeignete Bereifung” ist. Müssen die Reifen die M+S Kennzeichnung haben, oder ist ein normaler Stollenreifen (wie bei meiner KLX) auch eine “geeignete Bereifung”? Und wie wird das von den Versicherungen bewertet?

    Ein Motorradfahrer, der mit normalen Straßenreifen bei Schnee und Eis fährt, den wird’s wohl kaum bis selten geben – ich hab’s mal mit der XJ gemacht/machen müssen. Das war schon echt grenzwertig mit dem Dickschiff.

    Aber mit der KLX geht’s echt gut, obwohl meine Reifen keine M+S Kennzeichnung haben, es sind die werkseitig montierten Stollenreifen.

    Gruß!
    Marc

  2. “Wird man bei winterlichen Wetterverhältnissen mit Sommerbereifung erwischt, droht ein Verwarnungsgeld von 20,- EUR.”

    Das, sehr geehrter Herr Kollege, ist in dieser Allgemeinheit – bei allem Respekt – schlicht falsch. Es gibt eben keine (!) Winterreifenpflicht und frische Sommerreifen sind jedenfalls nicht ungeeignet i.S. § 2 Abs. 3a StVO. Andererseits könnten Winterreifen mit wenig Profil unter diese Norm fallen.

  3. So, wie´s der Kollege formuliert hat, ist es richtig: es “droht” ein Verwarnungsgeld. Unter welchen Umständen hat er ja nicht geschrieben.

  4. Geehrter Herr Kollege, da hilft doch wieder mal der Blick in den Beitrag -und ins Gesetz.

    Es kommt auf die Wetterverhältnisse an. So stehts geschrieben. Von einer unbedingten Pflicht war auch nicht die Rede.

    Und in einem konkreten Fall natürlich auch darauf an, ob frische Sommerreifen bei dem zu beurteilenden Fall (z.B. 280 kg-“Dickschiff” im Gegensatz zur schlanken Enduro) tatsächlich geeignet sind.

    Falls also mal ein Verwarnungs- oder Bußgeld gegen einen Motorradfahrer verhängt wird, wäre es interessant zu erfahren,, ob dies im konkreten Fall auch gerechtfertigt war. Dies in Erfahrung bringen kann natürlich nur derjenige, der sich auch gegen eine entsprechende Bußgeldverhängung wehrt.

    Aus meiner Sicht ist es jedenfalls ziemlich mutig, sich mit -wenn auch frischen- Sommerreifen auf eine eisglatte Fahrbahn zu wagen. Dies sieht jedenfalls Marc in seinem Kommentar ebenso., was sein Fallbeispiel mit der XJ auf Straßenreifen verdeutlicht. Die “besseren” Karten hat da sicherlich der Endurofahrer mit zugelassenen und guten Stollenreifen.

  5. “Aus meiner Sicht ist es jedenfalls ziemlich mutig, sich mit -wenn auch frischen- Sommerreifen auf eine eisglatte Fahrbahn zu wagen.”

    Bei eisglatten Fahrbahn ändern Winterreifen auch nicht viel an der Glätte.

    Im Übrigen beleuchtet der Beitrag ja nur das Ordnungswidrigkeitenrecht. Es droht ja auch das Strafrecht in Sachen fahrlässige Tötung und Körperverletzung.

    Auch wird oft vergessen, dass die richtige Bereifung oftmals ein Grund sein kann, dass die Versicherung mit Hinweis auf die entsprechende Obliegenheit die Zahlung verweigert.

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